FF Günselsdorf

Chronik

Kurzchronik der Feuerwehr Günselsdorf von 1873-1948

Der Ort Günselsdorf, gegründet im 11. Jahrhundert in Verbindung mit dem Ort Sollenau und der Herrschaft Schönau, liegt am Übergang vom Oberlauf zum Unterlauf der Triesting am Rande des Wiener Beckens.

Bedingt durch die Mautstelle und die Poststation an der Reichsstraße Wien – Triest siedeln sich im 18. Jahrhundert im Bauerndorf einige Gasthöfe und Handwerksbetriebe an. Im 19. Jahrhundert hält mit dem Bau einer Baumwollspinnerei und eines Werkskanals die Industrialisierung Einzug in unserem Orte.

Vom 19. Jahrhundert liegen einige Berichte über Großbrände in Günselsdorf und den umliegenden Dörfern und Städten vor.

Ab den 1860iger-Jahren beginnen sich in Niederösterreich die ersten freiwilligen Feuerwehren zu bilden: 1860 in Krems, 1863 in Leobersdorf, 1865 in Bad Vöslau und Baden und 1871 in Schönau/Tr.

Gründung 1873

Ein Großbrand in Günselsdorf am  4. Juli 1873, bei dem 4 Häuser abbrennen, gibt den Anlass, dass sich auch bei uns eine freiwillige Feuerwehr bildet. Am Freitag, den 12. Sep. 1873, findet die Gründungsversammlung statt. Erster Hauptmann wird der amtierende Bürgermeister und Wirtschaftsbesitzer Georg Steurer. Er wird diese Funktion für 20 Jahre ausüben.

Wann das erste Feuerwehrhaus mit Kapelle am heutigen Schenkermayerplatz erbaut worden ist, kann nicht mehr eruiert werden. Es war aber über 100 Jahre bis ins Jahr 1980 in Verwendung.

Bereits am 23. Nov. 1873 wird von der Firma Seltenhofer aus Ödenburg (heute Sopron) eine vierrädrige Landfahrspritze am Bahnhof Leobersdorf übernommen und in einem Festzug mit den umliegenden Feuerwehren in unseren Ort gebracht und auf ihre Leistung getestet. Mit einer Besatzung von 8 Mann an den Hebeln der Pumpe kann mit den zwei 4 ½-Zoll-Zylindern eine Förderleistung von 9 Kubikfuß pro Minute (ca. 255 Liter pro Minute) erbracht werden.

Schon in der darauffolgenden Nacht  kommt die neue Landfahrspritze bei einem Brand in Tattendorf zum Einsatz.

1874
Bereits in diesem Jahr finden sich umfangreiche Berichte in den Fachzeitungen über eine Feuer-Telegraphenleitung von Tattendorf nach Leobersdorf und von Tattendorf nach Traiskirchen. Diese Leitung diente ausschließlich der raschen Alarmierung der angeschlossenen Feuerwehren und war für die damalige Zeit mit Sicherheit eine der modernsten Einrichtungen.

Aug. 1874: Brand in Kottingbrunn; mit Günselsdorf kommen 11 weitere Wehren zur Unterstützung.

1875
28. Juni 1875: 2. Bezirksfeuerwehrtag Baden; FF Günselsdorf nimmt teil und wird durch die Kameraden Zeißberger und Postl vertreten.

1877
21. Juli 1877: In Tattendorf brennen 6 Häuser und 7 Scheunen. Die Feuerwehren Günselsdorf und jene der umliegenden Orte eilen zur Hilfe. Ein in Günselsdorf stationiertes Husaren-Regiment unterstützt ebenfalls die Löschmannschaften.

Aug. 1877: In der Teesdorfer Spinnfabrik brennt ein Gebäudetrakt. Die Günselsdorfer Feuerwehr und 25 weitere Wehren eilen zu Hilfe. Fabriksdirektor F. Lejeune bedankt sich öffentlich in der Neuen Freien Presse  am 5. Sep. 1877.

1879
4. Juli 1879: Um 7 Uhr früh brennt in Schönau an der Triesting ein mit Schindeln gedecktes Bauernhaus mit Nebengebäuden und Scheune. Mittels „Feuerwehrtelegraph“ werden 8 umliegende Feuerwehren rasch alarmiert. Die Günselsdorfer Feuerwehr unterstützt die Feuerwehr Schönau/Tr. mit 20 Mann.

Sep. 1879: In Schönau an der Triesting findet der 6. Bezirksfeuerwehrtag des Bezirksverbandes Baden statt. Schönau und die umliegenden Feuerwehren (Leobersdorf, Günselsdorf u.a.) demonstrieren in einer gemeinsamen Übung ihr Können.

1881
12. März 1881: In Günselsdorf wird durch das k.u k. Landes Gendarmerie-Kommando Wien ein neuer Gendarmerieposten „creiert“.

Im Apr. 1881 wird die aktuelle Volkszählung veröffentlicht und Günselsdorf weist 847 Seelen und 70 Häuser auf.

Am 13. Aug. 1881 dankt im Anzeigenteil des Badener Bezirks-Blatts die FF Traiskirchen den Feuerwehren Möllersdorf, Tribuswinkel, Pfaffstätten, Baden I und II, Trumau, Guntramsdorf, Gumpoldskirchen, Ober-Waltersdorf, Oeynhausen, Weikersdorf, Sooss, Tattendorf, Teesdorf, Günselsdorf, Kottinbrunn und Vöslau für die wackere Unterstützung bei einem Brand am 7. Aug. 1881.

1883
18. Nov. 1883: In Weikersdorf brennt der Meierhof des Baron Doblhoff. Die Feuerwehr Weikersdorf wird durch Günselsdorf und 13 weitere Feuerwehren bei der Brandbekämpfung unterstützt. Se. k. k. Hoheit Herr Erzherzog Rainer ist am Brandplatze anwesend.

1884
Am 12. Aug. 1884 unterstützen die Feuerwehr Günselsdorf und 10 weitere Wehren die Feuerwehr Sooß bei einem Brand. Am 23. Aug. bedankt sich der Gemeindevorstand von Sooß im Badener Bezirks-Blatt, dass „durch das wackere Eingreifen es allen zu danken ist, dass ein weiteres den ganzen Ort bedrohendes Umsichgreifen des Brandes hintangehalten wurde.“

1885
Am 14. Bezirksfeuerwehrtag in Teesdorf nimmt Günselsdorf mit einer Delegation teil.

1886
In Frommes Jahrbuch der Feuerwehren wird immer noch G. Steurer als Hauptmann und erstmals Johann Klosterer als Stellvertreter der FF Günselsdorf genannt.

Sep. 1886: Im Protokoll des 15. Bezirksfeuerwehrtages des Bezirkes Baden in Heiligenkreuz wird angeführt, dass es im abgelaufenen Jahr nur 2 Brände im Bezirk Baden gegeben hat (einen in Dornau bei Schönau/Tr. und einen in Baden).

1888
Am 26. Juli 1888 ereignet sich in unserer Region ein folgenschweres Unwetter. Der Landstrich von Pottenstein bis Pottendorf wird durch Hagel, sintflutartigen Regen und orkanartigen Sturm stark verwüstet. Das Eis liegt bis 60 cm hoch auf den Feldern und die Hagelschlossen sollen teilweise so groß wie Billardkugeln gewesen sein. Feldfrüchte, Obst und Weingärten sowie hunderte Glasscheiben werden vernichtet. In Baden wird mehrmals zu Spendenaktionen aufgerufen, um den am schwersten betroffenen Gemeinden Teesdorf, Günselsdorf, Schönau, Kottingbrunn, Leobersdorf, Großau, Gainfarn, Berndorf, Weißenbach, Furth, Pottenstein, Fahrafeld und Hirtenberg zu helfen.

1889
In diesem Jahr hilft die FF Günselsdorf bei Bränden in Tattendorf und am 17. März in Teesdorf (10 Wohn- und Wirtschaftsgebäude brennen nieder).

Am 1. Mai 1889 brennt es um 1 Uhr nachts in Günselsdorf. Das Bauernhaus von Johann Reisacher und 3 weitere Bauernhäuser stehen in Flammen. Pferde und Kühe kommen in den Flammen um. Unsere Feuerwehr wird durch die umliegenden Wehren (Teesdorf, Tattendorf, Vöslau, Gainfarn, Leobersdorf, Kottingbrunn und weitere nicht namentlich genannte) bei der Brandbekämpfung unterstützt.

1891
Am  7. Juni 1891 ereignet sich ein Brand in der dem Herrn Theodor Dumba gehörenden Spinnfabrik in Günselsdorf. Ein Stall und das Dach eines Wohngebäudes werden eingeäschert. Dank der am Brandplatze erscheinenden Feuerwehren ist der Schaden gering.

1892
Beim 21. Bezirksfeuerwehrtag in Leesdorf (heute: Stadtteil von Baden) wird erstmals eine Günselsdorfer Feuerwehrmusikkapelle erwähnt.

1893
Am 11. Okt. 1893 bricht um halb 2 Uhr nachts beim Günselsdorfer Feuerwehrhauptmann und Bürgermeister Georg Steurer während der Hochzeitsfeier seiner Nichte im Heustadl Feuer aus. Der Brand breitet sich auch auf den Stadl und Stallungen des Nachbarn Jakob Radl aus. Unsere Feuerwehr und sechs Nachbarwehren rücken zur Brandbekämpfung aus. In den Lokalzeitungen wird berichtet, dass eine „verruchte Hand“ das Feuer gelegt haben soll.

1894 – 1896
In Frommes Jahrbüchern der Feuerwehren werden Carl Westermayr als Hauptmann und Carl Damy als Stellvertreter der Feuerwehr Günselsdorf genannt.

Am 17. Feb. 1894 eilt die Feuerwehr Günselsdorf um 6 Uhr abends mit 13 weiteren Wehren nach Kottingbrunn zu einem Scheunenbrand.

Eine Delegation der Feuerwehr Günselsdorf nimmt am 26. Aug. 1894 am 23. Bezirksfeuerwehrtag in Alland teil.

1896
Um 1896 erwirbt unsere Feuerwehr einen pferdegezogenen Mannschafts- und Gerätewagen von der Firma Anton Sommer aus Traiskirchen. (Ab 1897 erscheinen Inserate der Firma Sommer und die Günselsdorfer Feuerwehr wird in der Referenzliste angeführt.)

1897 – (1900)
In Frommes Jahrbüchern der Feuerwehren werden Johann Jeitler als Hauptmann und Carl Dammy (verstorben am 15. Feb. 1900) als sein Stellvertreter genannt.

Am 26. Feb. 1897 ereignet sich in Günselsdorf nachts ein Großbrand. Vier Häuser mit Nebengebäuden werden ein Raub der Flammen. 15 Feuerwehren aus dem Bezirk Baden unterstützen unsere Wehr bei der Brandbekämpfung. In den Zeitungen wird berichtet, dass die betroffenen Einwohner nur ihr nacktes Leben retten konnten und sich der Schaden auf ca. 12.000 Kronen beläuft.

19. Juni 1897: In der k.k. priv. Baumwollspinnerei der Firma E. v Boschan & Comp. in Oberwaltersdorf bricht ein Brand aus. Durch den starken Wind sind die angrenzenden Häuser stark gefährdet. Die Fabriks- und Ortsfeuerwehr von Oberwaltersdorf wird von der Feuerwehr Günselsdorf und 18 weiteren Wehren unterstützt. Ein Übergreifen der Flammen kann verhindert werden, der Schaden an der Fabrik beträgt ca. 300.000 Kronen.

Am 3. Aug. 1897 bricht um halb 11 Uhr nachts erneut ein Brand in Günselsdorf aus. Vier Scheunen gehen in Flammen auf und drohen auf die Kirche und das Haus des Gemeindevorstandes überzugreifen. Die Günselsdorfer Feuerwehr und 8 zur Hilfe geeilte Nachbarwehren können mit vereinten Kräften das Feuer löschen.

1898
Gründung der Fabriksfeuerwehr Spinnereifabrik Günselsdorf. Als 1. Hauptmann wird Fabriksdirektor Franz Zischka und als Stellvertreter Josef Elst(n)er genannt. Der Schriftverkehr über die Gründungsakten ist im NÖ Landesarchiv weitgehend erhalten geblieben.

Am 16. Jän. 1898 hält unsere Feuerwehr ihre jährliche Hauptversammlung ab. Der neubestellte Schriftführer und Oberlehrer Daniel Pamperl veröffentlicht einen ausführlichen Bericht in einer Fachzeitung. Hauptmann Jeitler führt an, dass unsere Wehr aus 38 aktiven Kameraden, 13 unterstützenden Mitgliedern und 1 Ehrenmitglied besteht. 1897 wurde zu 9 Bränden ausgerückt und bei einem Hochwasser mussten mehrere Objekte im Ort geschützt werden. Es wurden 4 Übungen abgehalten. (Daniel Pamperl war vor seiner Überstellung zu unserer Wehr im Feuerwehrbezirk Pottenstein Schriftführer im Bezirkskommando.)

Am 25. Jän. 1898 brennt der Dachstuhl am Hause des Ignaz Plank in Günselsdorf.

Am 25. März 1898 unterstützen unsere und 9 weitere Wehren die Feuerwehr Hirtenberg bei einem Brand.

Am 11. Juni 1898 eilt die Feuerwehr Günselsdorf um 5 Uhr früh zu einem Fabriksbrand nach Schönau. 8 weitere Feuerwehren unterstützen ebenfalls die Brandbekämpfung.

25-jähriges Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Günselsdorf

Am Abend des 25. Juni 1898 erfolgt ein großer Fackelzug mit der Feuerwehrkapelle durch das festlich geschmückte Günselsdorf.

Festprogramm am 26. Juni 1898:

5 Uhr früh:         Weckruf durch die Feuerwehrkapelle

8 Uhr:                   Zusammenkunft in Hochegger´s Gasthaus

9 Uhr:                   Festmesse in der Günselsdorfer Pfarrkirche mit Hochwürden Pfarrer Trubich

1 – halb 3 Uhr nachmittags:        Empfang der 14 auswärtigen Feuerwehren

Hernach Aufstellung im Hofe des Gasthauses Rakovsky, Begrüßung durch die Gemeindevertretung und Festansprache durch Oberlehrer Eder.

Danach Brandübung und Festumzug.

Spätnachmittags: Konzert der Feuerwehrkapelle Günselsdorf und abends findet ein Tanzkränzchen statt.

 

Am 24. Juli 1898 spielt die Günselsdorfer Feuerwehr-Capelle zum Günselsdorfer Kirchweihfest im Gasthof Rakovsky.

1899
Am 23. Juli 1899 besuchen unsere Kameraden die 25-jährigen Gründungsfeste in St. Veit an der Triesting und in Gutenstein.

1900
17. Feb. 1900: Der am 15. Feb. 1900 verstorbene Carl Damy, Hautptmann-Stellvertreter unserer Wehr, wird zu Grabe getragen. Er war 17 Jahre Mitglied in unserer Wehr.

Bei der darauffolgenden Wahl wird Josef Reisacher neuer Hauptmann-Stellvertreter unserer Wehr. Der Kaufmann Johann Jeitler wird in seiner Funktion als Hauptmann bestätigt.

  1. Nov. 1900:  Im Fabrikgebäude der Felixdorfer Weberei- und Spinnerei-Aktiengesellschaft bricht um 6 Uhr abends ein Brand aus. 20 Feuerwehren mit 32 Spritzen, darunter auch unsere Wehr, rücken an, um das Feuer zu löschen. Das Maschinenhaus mit Nebengebäuden und die 400 Schritte entfernte Pulverfabrik Mayer & Kott können gerettet werden. Der Schaden beträgt 150.000 Kronen.
  2. Nov. 1900: Der kürzlich verstorbene Bäckermeister und ehemalige Hauptmann unserer Wehr, Carl Westermayr, wird zur letzten Ruhestätte geleitet. Er war seit 1883 Mitglied in unserer Wehr, war Schriftführer und von 1893 bis 1896 Hauptmann.

1902
Am 25. Aug. 1902 ereignet sich um halb 12 Uhr nachts in Tattendorf ein Großbrand, 8 Bauernhäuser mit Wirtschafts- und Nebengebäuden werden ein Raub der Flammen. 14 Feuerwehren, mit dabei auch die Günseldorfer Orts- und Fabrikswehr, bekämpfen den Brand trotz Wassermangel erfolgreich. Alle Tiere können gerettet werden.

1904
Bei der Jahreshauptversammlung unserer Wehr wird Johann Klosterer zum Hauptmann und Johann Reisacher zum Stellvertreter gewählt.

1906
Am 20. Apr. 1906 werden mit der vom Kaiser Franz Josef gestifteten Ehrenmedaille für 25-jährige „belobte Dienstzeit im Feuerwehrdienst“ aus Günselsdorf: Johann Reisacher und Anton Beer ausgezeichnet.

  1. Aug. 1906: Um 1 Uhr nachts brennt die Scheune des Kaufmanns Ginsl in Teesdorf. Die Günselsdorfer Wehr und 7 weitere unterstützen die Feuerwehr Teesdorf bei den Löscharbeiten.

Am 8. Nov. 1906 hilft die Feuerwehr Günselsdorf bei einem Brand in Teesdorf. Die Scheune des Wirtschaftsbesitzers J. Heißenberger wird samt der neuen Dreschmaschine und anderen Geräte ein Raub der Flammen. Die Feuerwehren Tattendorf und Oeynhausen unterstützen ebenfalls die Löscharbeiten.

1907
Am Montag, den 10. Juni 1907, brennen um 1 Uhr mittags in Trumau bei starkem Wind 11 Scheunen und Nebengebäude. 18 Freiwillige und Betriebsfeuerwehren bekämpfen trotz Wassermangel den Großbrand. Unsere Wehr war die am weitest entfernt alarmierte Feuerwehr.

Beim 36. Bezirksfeuerwehrtag am 25. Aug. 1907 in Kottingbrunn wird von unserer Wehr Georg Klosterer für 20 Jahre Feuerwehrdienst mit einem Diplom und von der Günselsdorfer Fabriksfeuerwehr Franz Zischka und Johann Polak mit der Kaiserlichen Ehrenmedaille für 25 Jahre im Feuerwehrdienst ausgezeichnet.

1908
Am 26. Aug. 1908 brennt eine freistehende Strohtriste des Günselsdorfer Bauern Johann Reisacher.

1909
Bei der Jahreshauptversammlung wird der Bäckermeister Wilhelm Klein zum Hauptmann und Johann Reckenbacher zum Hauptmann-Stellvertreter gewählt.

Am 1. Aug. 1909 wird Wilhelm Klein beim 38. Bezirksfeuerwehrtag Baden in Heiligenkreuz in den Ausschuss gewählt.

In Teesdorf brennen am 13. Nov. 1909 gegen Mitternacht die Wirtschaftsgehöfte von Bernhard Wanzenböck und Franz Putz samt Wohngebäuden und Scheunen mit Nebengebäuden. Eine ungenannte Anzahl der umliegenden Feuerwehren eilt zu Hilfe, um den Brand zu löschen. Ein Brandstifter wird verhaftet und vor Gericht gestellt.

1911
I
n diesem Jahr wird ein neuer Hydrophor von unserer Wehr angekauft. Er wird bis in die 1950er-Jahre seinen Dienst leisten und ist uns bis heute erhalten geblieben.

1913
Bei der Jahreshauptversammlung wird Johann Klosterer neuer Hauptmann-Stellvertreter.

Am 42. Bezirksfeuerwehrtag am 7. Sep. 1913 in Pfaffstätten wird Franz Schmidt von unserer Wehr mit einem Diplom für 20 Jahre verdienstvolle Tätigkeit ausgezeichnet.

1914
Der I. Weltkrieg bricht am 28. Juli 1914 aus. Einige Kameraden unserer Wehr werden an die Front gerufen. Trotzdem bleibt die Einsatzbereitschaft unserer Wehr erhalten.

Am Sonntag, den 2. Aug. 1914, bricht nachts in einer Scheuer der hiesigen Spinnfabrik ein Brand aus. Die Feuerwehren von Günselsdorf (Fabrik und Ort), Schönau, Teesdorf, Leobersdorf (Fabrik und Ort), Kottingbrunn und Sollenau sind an den Löscharbeiten beteiligt. Der Schaden beträgt 3000 Kronen.

1915
Unser ehemaliger Schriftführer und Hauptmann, Oberlehrer Daniel Pamperl, stirbt am 4. Apr. 1915 nach langer Krankheit im 54. Lebensjahr. Ihm verdanken wir zahlreiche Berichte in der Lokal- und Fachpresse über unsere Wehr.

Am 10. Juni 1915 brennen in Kottingbrunn die Zuschauertribünen und Kassengebäude der Pferderennbahn. Durch Funkenflug geraten auch 6 Häuser der Ortschaft Kottingbrunn in Brand. 16 Feuerwehren sind am Brandplatze anwesend, darunter auch die FF Günselsdorf.

1917
Am 17. Juni 1917 ereignet sich im „Mittel“, nahe der Blumauer Pulverfabrik, eine schwere Explosion, die 20 Todesopfer und 360 Verletzte fordert. Auch der Sachschaden an den Häusern in Günselsdorf wird als beträchtlich eingestuft.

1918
Am 11. Nov. 1918 endet der I. Weltkrieg. Einige unserer Kameraden kehren nicht zu ihren Familien und in unsere Reihen zurück. Ihre Namen sind am Kriegerdenkmal verewigt und sollen unvergessen bleiben.

1922
Am 3. Juli 1922 wird um 11.00 Uhr nachts in der Teesdorfer Bleistiftfabrik ein Dachstuhlbrand entdeckt. Unsere und 26 weitere Wehren unterstützen die Teesdorfer Fabriksfeuerwehr. Sogar Löschzüge aus Wiener Neustadt und von der Berufsfeuerwehr Wien rücken zur Unterstützung an. Der aus Holz gebaute Trakt, in dem die Bleistiftfabrik untergebracht ist, wird völlig zerstört. Der Schaden soll eine Milliarde Kronen (Inflation!) betragen haben.

1923
Am 25. Mai 1923 ereignet sich in der Pulverfabrik Blumau ein verheerendes Unglück. Große Mengen Dynamit explodieren und zerstören einen großen Teil der Fabrik. Auch unser Ort wird in Mitleidenschaft gezogen und unsere Wehr hilft, die vielen Verletzten zu retten und die Todesopfer zu bergen.

Am 20. Mai 1923 feiert unsere Wehr das 50. Gründungsfest. Als Ehrengäste werden der Obmann des Landesfeuerwehrverbandes, Landtagspräsident Ing. Jukel, und Bezirksverbandsobmann Laschitz sowie Vertreter zahlreicher auswärtiger Feuerwehren begrüßt.

Im Sommer 1923 wird die Triesting in Günselsdorf reguliert.

Der 52. Bezirksfeuerwehrtag findet am 2. Sep. 1923 in Pfaffstätten statt. Unser Hauptmann Wilhelm Klein wird in den Bezirksverbandsausschuss gewählt.

Am 3. Sep. 1923 wird unser Gründungsmitglied Anton Beer zu Grabe getragen.

1925
Bei der Jahreshauptversammlung werden Georg Klosterer sen. als Hauptmann und Anton Kubernat als Stellvertreter gewählt. Anton Kubernat übersiedelt aber kurze Zeit später nach Oeynhausen und wird von 1929 bis 1938 und von 1945 bis 1954 Bürgermeister von Oeynhausen. Wer ihm als Hauptmann-Stellvertreter nachgefolgt ist, ist derzeit noch unbekannt.

1926
Im Frühjahr wird von der Firma Rosenbauer aus Linz eine leistungsstarke Benzinmotorspritze angekauft. Das Aggregat ist fest auf einem Einachsanhänger aufgebaut und hat eine Förderleistung von 1600 Liter pro Minute. Der Anhänger befindet sich nach wie vor in unserem Besitz. Leider wurden die Messingteile der Pumpe in späteren Jahren verkauft, um den Wiederaufbau in den 1950er-Jahren zu ermöglichen.

Vom 1. auf den 2. Juli gehen über dem Triestingtal ausgiebige Regenfälle nieder und der Fluss tritt über die Ufer. Durch die Überschwemmung in Günselsdorf werden Kartoffelfelder und Weingärten arg beschädigt.

Beim 55. Bezirksfeuerwehrtag am 25. Juli 1926 in Heiligenkreuz wird unser ehemaliger Hauptmann Wilhelm Klein für seine 20-jährige Dienstzeit mit einem Diplom ausgezeichnet.

Am 26. Okt. werden wir zu einem Fabriksbrand nach Bad Vöslau gerufen und rücken mit 13 Mann aus.

1927
In der Sitzung des NÖ Landes-Feuerwehrbeirates vom 13. Okt. wird unserer Feuerwehr eine einmalige Unterstützung von 200.- Schilling bewilligt.

1929
In diesem Jahr wurde durch unsere Wehr und die Gemeinde Günselsdorf ein Mannschaftsrüstwagen der Marke „Berliet VHAB“ als Zugfahrzeug für unsere Benzinmotorspritze angekauft.

Beim 58. Bezirksfeuerwehrtag in Großau überreicht Landtagspräsident Ing. Karl Juckel, in Vertretung des Landeshauptmanns, unserem Kameraden Kaspar Trauner das Ehrenzeichen für 40 Jahre und Martin Frühstück jenes für 25 Jahre verdienstvolle Tätigkeit im Feuerwehrdienst.

1930
In diesem Jahr wird unser Kamerad Franz Nedoma mit dem Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich für 25-jährige Tätigkeit im Feuerwehrdienst ausgezeichnet.

1931
Unser Kamerad Thomas Kowaschitz wird mit dem Ehrenzeichen für 25-jährige Feuerwehrtätigkeit ausgezeichnet.

Am 20. Aug. 1931 stirbt mit 66 Jahren Ing. Karl Jukel aus Schönau, ein Ehrenbürger von Günselsdorf.  Er war Landesfeuerwehrkommandant  von  Niederösterreich,  Obmannstellvertreter des Bezirksfeuerwehrverbandes Baden, Präsident des NÖ Landtages, Staatssekretär für Verkehrswesen und hatte zahlreiche weitere Funktionen auf allen Ebenen des politischen Lebens inne.

1932
Beim 61. Bezirksfeuerwehrtag Baden am 7. Aug. in Möllersdorf werden Ernst Frisch und Franz Artmäuer sen. von der Günselsdorfer Fabriksfeuerwehr mit einem Diplom des Bezirksfeuerwehrverbandes für 20-jährige Tätigkeit im Feuerwehrdienst ausgezeichnet. Mit dem Ehrenzeichen für 25-jährige Feuerwehrtätigkeit werden von unserer Wehr Franz Drozda, Wilhelm Klein und Johann Ungar und von der Günselsdorfer Fabriksfeuerwehr Josef  Schiller und Fritz Handler ausgezeichnet. Eine Auszeichnung für 40-jährige Feuerwehrtätigkeit erhalten Josef Drozda von unserer Wehr sowie Michael Stadlhuber  von der Fabriksfeuerwehr.

1933
Am 21. März brennt die „Deckenfabrik Theodor Müller, Spinnerei und Weberei Trumau“. Auf Grund des starken Windes ist der ganze Ort Trumau gefährdet. 34 Feuerwehren rücken aus, um eine Brandkatastrophe zu verhindern. Auch die FF Günselsdorf ist in der langen Liste der eingesetzten Wehren verzeichnet.

Am 27. Aug. ist um 02.30 Uhr ein leichtes Erdbeben in unserer Region zu spüren.

Ein weiterer Großbrand ereignet sich am 17. Sep. 1933 in Bad Vöslau. Ein Wollmagazin mit 2700 m² der „Kammgarnfabrik Vöslau“ steht in Flammen. Abermals stehen 34 Feuerwehren mit  460 Mann im Einsatz, um eine Katastrophe zu verhindern. Die Freiwillige Feuerwehr Günselsdorf Ort und die Freiwillige Fabriksfeuerwehr Günselsdorf sind im Brandbericht unter den helfenden auswärtigen Feuerwehren angeführt.

1934
Am 5. Aug. findet der 63. Bezirksfeuerwehrtag in Alland statt. Mit einem Diplom für 20-jährige Dienstzeit werden von unserer Wehr Anton Tröster, Franz Sepelle, Georg Klosterer jun. und Franz Klosterer ausgezeichnet.

Im September beschließt der Landesfeuerwehrverband die Einführung des „Spinnenhelmes“ anstelle des Lederhelmes. Der „Spinnenhelm“ wird noch heute bei Paraden und Ehrenwachen verwendet und ist ein wesentliches Symbol unserer Tradition.

1936
Beim 65. Bezirksfeuerwehrtag Baden am 19. Juli in Siegenfeld werden von unserer Wehr Franz Zöchling  (1888-1961) für 25-jährige Dienstzeit und Johann Plank für 40-jährige Dienstzeit ausgezeichnet.

Bei der Jahreshauptversammlung von 1936 wird Georg Klosterer jun. zum Hauptmann gewählt. Er übt diese Funktion bis 1948 aus.

1937
Am 4. Juni erhält Georg Klosterer sen. für 50-jährige Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Günselsdorf Ort eine Dankesurkunde von der NÖ Landesregierung.

Am 18. Juli nimmt eine Abordnung unserer Wehr am 66. Bezirksfeuerwehrtag in Raisenmarkt teil.

1938      Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich als Ostmark werden die Freiwilligen Feuerwehren als Vereine aufgelöst und unter staatlicher Aufsicht als „technische Hilfspolizeitruppe“ der Ortspolizei (Gemeinde) geführt. Der Hauptmann wird nun nicht mehr von der Mannschaft gewählt, sondern durch den Bürgermeister eingesetzt.

1940
Durch die Feuerschutzpolizei (Gemeinde) wird unsere erste Tragkraftspritze der Marke „Rosenbauer R 8“ angekauft. Dieses Aggregat mit seinem 2-Zylindermotor und der Pumpe „FP800“ ist bis 1963 bei uns im Einsatz gestanden und uns bis heute als Museumsstück erhalten geblieben.

1942
Am 30. März tritt Franz Zöchling sen. (geb. 1924) unserer Wehr („technische Hilfspolizeitruppe“) bei.

1943
Da einige unserer Kameraden im Krieg sind, werden Johann Zöchling (vom Haus 25) im Alter von fast 40 Jahren und Adam Radl mit nur 15 Jahren von der Gemeinde aufgefordert, unserer Wehr („technische Hilfspolizeitruppe“) beizutreten.

Am 16. Aug. stirbt unser ehemaliger Hauptmann Georg Klosterer sen. im 76. Lebensjahr.

1944
Am 13. Apr. stirbt unser Kamerad Franz Klosterer bei einem Fliegerangriff auf Günselsdorf. Er befindet sich kurz nach dem Ortsende auf der Bundesstraße Richtung Oeynhausen und sucht unter seinem Pferdeanhänger Schutz, wird jedoch von Splitterbombenteilen tödlich verletzt.

1945
Im April ist Günselsdorf Kriegsschauplatz. Die letzten Truppen der Wehrmacht ziehen Richtung Triestingtal durch und sprengen die Brücke über die Triesting. Wenig später rücken russische Soldaten von Blumau kommend in Günselsdorf ein. Es wird das damalige  Gemeindehaus in der Teesdorferstraße in Brand gesteckt und das angrenzende Haus unseres Feuerwehrhauptmannes Georg Klosterer wird ebenfalls ein Raub der Flammen. Die bei ihm aufbewahrten Bücher unserer Feuerwehr verbrennen, wodurch wertvolle geschichtliche Aufzeichnungen für immer verloren gehen.

Weiters werden der Pfarrhof und weitere Gebäude von Ferdinand Klosterer, Karl Nedoma, Josef Drozda, Karl Ranz, Franz Zöchling (Nr. 31) und das Wohnhaus Nr. 71 der Fabrik in Brand gesteckt. Hier kann bedingt durch die Kriegswirren keine Löschhilfe unserer Feuerwehr geleistet werden.

In den darauffolgenden Tagen wird auch das Feuerwehrhaus von der Besatzungsmacht geplündert, wobei vieles unserer Ausrüstung verschwindet. Vor allem unser Mannschaftsrüstwagen Marke „Berliet“ aus dem Jahre 1929 wird entwendet und später zerstört vorgefunden. Erst 1962 erhalten wir vom Staat 5.000.- Schilling Entschädigung für dieses Fahrzeug.

Doch schon wenige Wochen später findet sich unsere Mannschaft wieder zusammen und kann die Brände in den Häusern von Leopold Setznagel und Ludwig Klosterer nach Brandstiftungen im Juni 1945 erfolgreich löschen.

1946
Im Sommer wird ein Brand im Stallgebäude von Anna Radl (Haus Nr. 26) mit der vorhandenen Ausrüstung erfolgreich bekämpft und ein Übergreifen der Flammen auf Nachbarobjekte verhindert.

Am 5. Nov. konstituiert sich unsere Feuerwehr als Verein neu, wobei Georg Klosterer als Hauptmann und Franz Plank als Stellvertreter gewählt werden. Schriftführer wird Georg Plank und als Kassier wird erstmals Franz Zöchling sen. bestellt. Diese Funktion übt Franz Zöchling sen. bis 1991 aus und leistet durch seine umsichtig geführte Finanzgebarung über all die Jahre einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung unserer Wehr.

Mit dem neuen Kommando kann der mühevolle Wiederaufbau unserer Wehr beginnen. Rasch wird ein englisches Armeefahrzeug Marke „Fordson“ organisiert, das in Eigenregie in einen Feuerwehr-Mannschaftswagen umgebaut wird.

1947
Durch das neue Kommando motiviert, treten einige Männer unserer Wehr bei.

1948
Zum 75-jährigen Bestandsjubiläum wird bei der Jahreshauptversammlung Josef Klosterer zum neuen Hauptmann gewählt. Franz Plank wird als Stellvertreter wiedergewählt und Franz Fürtinger sen. zum Schriftführer bestellt.